Wer einmal eine konventionelle Krebs-Behandlung mit Chemotherapie auch nur begleitet hat, kennt die Hölle persönlich. Und vergisst sie nie mehr.
Unerträgliches Leid erfüllt die Räume der Tageskliniken gefüllt mit Chemopatienten, die teilweise vor sich hin vegetieren, mit leerem Blick, lesen, um die qualvollen Gedanken zu verdrängen, sich gegenseitig Mut zusprechen, weinen.
Der Tod hängt in der Luft.
Noch sehr lange verfolgt einen das laute Piepsen der elektronischen Chemopumpen, wenn nach 2, 3 oder 5 Stunden Stillsitzen die giftige Flüssigkeit in den Körper floss und erneuert werden muss. Wie hält das eine menschliche Seele nur aus?
Als Mitleidende und vor allem Nicht-Ärztin frage ich mich, welche Behandlungs-Alternativen es gibt, die menschlicher sind bzw. mit mehr Gnade behandeln?
24. April, heute vor viiielen Jahren kam das wertvollste und hübscheste Fohlen des Universums zur Welt. Ein mystischer und schikcsalhafter Weg führte uns beide zusammen. Happy Birthday my love:
Gross, braunes Fell, lange Beine mit zwei kleinen weissen Socken, hübsche Blesse, schreckhaft bis zum Umfallen, hat er mich sofort erobert. Lebhaft und voller Freude erinnere ich mich an den letzten verschneiten Winter mit Laskan, als er plötzlich während unseres Spaziergangs im Wald anfing, nervös zu laufen, zu tänzeln, die Nüstern blähten sich auf, der Kopf flog nach oben, er schaute nur noch nach links, Augen weit aufgerissen, die Ohren standen senkrecht. Steht da etwa ein riesen-haftes Monster?
In einer Entfernung von 50 m stand auf einer Wiese ein kleiner Schneemann mit Möhre als Nase! Ich schmeisse mich heute noch wech vor Lachen lol, das ist Laskan. So liebe ich ihn. Laskan kann nicht sprechen, doch er versteht alles…ihm gehört meine ganze Liebe.
Ich widme dieses unsagbar überirdische Musikstück meiner Piano-Lehrerin Olga, der ich jetzt schon sehr viel verdanke und die mich noch lange begleiten wird:
Meine wundervolle, kluge, zarte, authentische, gefühlvolle, sehr geliebte und liebende Freundin hat heute am 11. April Geburtstag und wäre 41 Jahre alt geworden. Anette Kraft! Sie war einfach nur echt!
Das Schikcsal hat anders entschieden! Ihr Schikcsal schreibt sich “Darmkrebs”.
Ihre Leidenschaft hiess über viele Jahre TBWA, eine der erfolgreichsten Werbeagenturen, die die Welt kennt, die Anette in Düsseldorf erheblich mit lenkte. Bis zum 14. Dezember 2003. Dann entdeckte sie zum grossen Glück das “wahre” Leben. Kurz, pur, intensiv.
Sein erstes literarisches Höchstwerk “Das Spinnennetz” aus dem Jahr 1923 zeigt seine “hellseherische” Fähigkeit z.B. bezüglich des aufkommenden Nationalsozialismus. Er sollte leider Recht behalten…
“Das bin ich wirklich: böse, besoffen- aber gescheit”. Diese Worte schrieb der anders-begabte Joseph Roth 1938 über sich selber. Bizarr, wie sich das historische Moment immer wiederholt …